Zentrum für immersive Medienkunst, Musik und Technologie
Beim sens Festival 2026 steht der Geschmackssinn im Zentrum multisensorischer Kunst. Als kulturelles und körperliches Phänomen verbindet der Geschmackssinn Erinnerung, Identität und Emotion und steht in engem Austausch mit allen anderen Sinnen. In Ausstellungen, Performances und Workshops erforscht das Festival den Geschmack als ästhetische und wissenschaftliche Kategorie und schafft immersive Erlebnisse an der Schnittstelle von Kunst, Musik, Technologie und Wissenschaft.
taste [ˈtastə]
Geschmack [von mittelhochdeutsch gesmac, ‚Duft, Geruch, Gestank, Geschmack‘]
Es ist kein Zufall, dass wir mit dem Begriff „Geschmack“ nicht nur einen Sinn sondern auch persönliche Vorlieben beschreiben, mit denen wir uns wiederum zu bestimmten Gruppen zugehörig fühlen. Ob auf der Zunge oder im Abstrakten: Wir unterscheiden Eigenschaften und verorten uns.
Der Geschmackssinn schützt Lebewesen als Prüfzentrum der Speisen vor Vergiftung. Auf der menschlichen Zunge finden sich Geschmacksrezeptoren für süß, sauer, salzig, bitter und umami. Weitere Sinneszellen könnten direkt Fette erkennen, die Forschung ist längst nicht abgeschlossen. Wenn wir über den Geschmack von Speisen sprechen, meinen aber weit mehr als die Information unserer Zunge und bewerten ein komplexes Zusammenspiel aus Geruch, Geschmack, Tastsinn, Temperatur- und Schmerzreizen. Auch Sehen und Hören, genauso wie Erinnerung, Emotion und unsere kulturelle Umwelt sind eng mit dem kulinarischen Geschmackserleben verflochten. Wie wir bewerten, was wir schmecken, hängt von unserer Sozialisation ab. Die Kultur, die uns umgibt, steckt den Rahmen für die ganz persönliche Vorliebe ab.
Wie orientieren wir uns durch Geschmack? Wie schmeckt ein Ort? Wo verläuft deine Grenze zwischen Genuss und Ekel? Wie klingt der Duft von Pilzen? Welche Geschmäcker verbirgt die Erde selbst? Was passiert mit traditioneller Musik, wenn man sie in die Gegenwartsspähre der Geschmacksbewertung verschiebt? Wie verändern sich Gerichte, wenn sie mit Sound und Visuals serviert werden? wie verändert die Art und Weise, wie wir essen, wie etwas schmeckt?
In Ausstellungen, Konzerten, Performances, Workshops und Vorträgen verbindet das Festival für multisensorische Wahrnehmung sens taste vom 25. November bis 2. Dezember 2026 künstlerische Perspektiven mit Wissenschaft und Technologie und macht multisensorische Verflechtungen erfahrbar.
Timetable
MI 25.11.
ab 18:00
Vernissage • Pannel Discussion mit Siôn Parkinson & Dr. masharu • DJ
DO 26.11.
20:00
Live Performance: Sandy Chamoun • Jan Jelinek
FR 27.11.
17:00
Workshop: Earth Tasting • Dr. masharu
ab 20:00
Live Performance: Radial Taste Wokout • Siôn Parkinson
SA 28.11.
15:00
Workshop: Aftertaste • Jasmine Parsley
17:00
Vortrag: Finding Complexity in What We Have • Amelie Büchner von Studio Schmaus
18:00
Vortrag: Marije Vogelzang
20:00
multisnesorisches Dinner Happening • Deufels Küche
— 02.12.
16:00–20:00
Ausstellung
Tickets & Preise
Festival Pass
das Ticket für alle Konzerte, Performances, Vorträge & Ausstellung.
• Full Festival 56€
• Early Bird Ticket: 46€ (bis zum 18. Oktober verfügbar)
Ausstellung
8€ (regulär)
5€ (ermäßigt)
12€ (soli)
Opening (25.11.)
Feierliche Eröffnung mit Panel Diskussion & DJ
5€
Workshops
18€
(Voranmeldung über unser Ticket-System.)
Performances
9€ – 40€
- Tickets sind online oder am Einlass erhältlich, Workshop-Tickets nur online.
- Schwerbehinderte sowie deren Begleitperson erhalten kostenlosen Eintritt.
Ausstellung
25.11. — 02.12.
more infos coming soon
Artists:
- Mattia Casalegno
- Dr. masharu
- Marije Vogelzang
Öffnungszeiten:
Vernissage am 25.11. / 18:00
So (29.11.) – Mi (2.12.)
16:00 – 20:00
Line Up:
Jasmine Parsley
Aftertaste (Workshop • 28.11.)
Aftertaste ist ein Happening, das urbane Räume durch die Perspektive essbarer Pflanzen erkundet. Gemeinsam gehen wir auf einen Spaziergang, bestimmen und sammeln spontan wachsende und kultivierte Pflanzen und lesen den Stadtraum anhand seiner sozialen und kulturellen Prägungen, Bodenbeschaffenheit, Nährstoffe, Giftstoffe und mehr-als-menschlichen Mitbewohner*innen. Anschließend werden die Pflanzen gemeinsam zubereitet, gekocht und gemeinsam gegessen. Durch Sammeln, Schmecken und Kochen hinterfragen wir kulturelle Hierarchien und entdecken vertraute Räume neu.
Jasmine Parsley: In Berlin lebende Künstler:in Jasmine Parsley (they/them) untersucht, wie Orte durch Vegetation gelesen, de- und rekonstruiert sowie neu gedacht werden können. Mit einem Master in Architektur von der Universität der Künste Berlin versteht Jasmine Architektur als performative Praxis mit transformativem Potenzial. Essen, insbesondere spontan wachsende Pflanzen und Unkräuter, spielt eine zentrale Rolle. Die kollaborative und intersektionale Praxis umfasst Dinner, Spaziergänge, Workshops, Happenings, Performances und Texte.
Foto: Cornelia Kastelan
Sandy Chamoun
(Performance • 26.11.)
Was bedeutet es, lautlos zu weinen? Sandy Chamouns Performance basiert auf ihrem neuen Album Sawt El Doumouh (Der Klang der Tränen), das zwischen 2023 und 2025 in Beirut als Reaktion auf die Kriege in Gaza und im Libanon entstand. Ihre Stimme bewegt sich zwischen der emotionalen Unmittelbarkeit des arabischen Tarab und dem polyphonen Ritualgesang des sardischen Cantu, geschichtet mit Auto-Tune, Elektronik und schwerer Perkussion. Trauernd und widerständig zugleich verweigern sich die Lieder dem Schweigen und lassen aus Schmerz und Verzweiflung Lichtblicke entstehen.
Sandy Chamoun ist Sängerin, Performerin, Schauspielerin und Soundkünstlerin aus Beirut. Ihre Arbeit greift auf arabische Volkstraditionen zurück und setzt sich mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinander. Seit 2013 ist sie in Musik und Theater aktiv, unter anderem in langjährigen Kooperationen mit Metro Al Madina. Sie ist Gründungsmitglied von The Great Departed und Mitglied von SANAM. Zu ihren Soloarbeiten gehören Siret El Roeb, FATA17OCT und GHADR. Als Sounddesignerin arbeitet sie für Film und Podcasts; 2025 präsentierte sie eine Soundinstallation bei der Sharjah Biennale. Ihr neues Soloalbum SAWT EL DOUMOUH erschien im Juni 2026.
Foto: …
Siôn Parkinson
Stink Music (Performance • 27.11.)
Kann Klang stinken? In Stink Music verbindet Siôn Parkinson Stimme, Synthesizer und live Spatial Audio, den Sounddesigner Sam Annand speziell für die 32-Lautsprecher-Installation von ZiMMT entwickelt hat. Die Performance erschafft eine feuchte, pilzreiche Atmosphäre zwischen Klang und Geruch, Sludge Rock und Vaporwave. Inspiriert vom Stinkmorchel tritt Parkinson in einem skulpturalen Kostüm des englischen Designers Matty Bovan auf und verwandelt Geruch und Erscheinung des Pilzes in einen theatralischen Sirenengesang.
Siôn Parkinson ist ein schottischer Künstler, Komponist und Performer. In seiner Arbeit erforscht er mit Gesang, Kostüm und Live-Performance die sinnliche und emotionale Welt von Dingen und ihren Rückständen sowie von dem, was Dinge hinterlassen. Er interessiert sich für abjekte Materialien und marginalisiertes Wissen und hat Performances, Filme und Bücher über Pilzgerüche, Phantomgerüche, Haare und Flecken entwickelt. Sein Buch Stinkhorn untersucht die Kulturgeschichte des Stinkmorchels und ihre Verbindung zu Hören und Musik. Derzeit arbeitet er an einem neuen Buch und Musical über die Farbe Braun.
Foto: Donald Milne
Jan Jelinek
(Performance • 26.11.)
Jan Jelinek verwandelt gefundene Klänge in das, was er Ecstatic Sound Collages nennt. In seinen Live-Performances improvisiert er mit zuvor gesammeltem Material, von Field Recordings und Fragmenten aus der Popmusik bis zu synthetischen Stimmen, und verarbeitet es in Echtzeit zu Loops, Texturen und Drones. Sein jüngstes Werk Social Engineering (2024) verwandelt Phishing-Mails mithilfe von Sprachsynthese in eine Sprach- und Klangcollage. Beim sens Festival spielt Jelinek live über die 32-Lautsprecher-Anlage von ZiMMT und lässt seine Collagen im Raum rund um das Publikum entstehen.
Jan Jelinek übersetzt Ausgangsmaterial aus der Popmusik in abstrakte, reduzierte Texturen. Statt traditioneller Instrumente nutzt er winzige Klangfragmente, die er zu repetitiven Loops und Collagen verarbeitet. Seit Ende der 1990er-Jahre veröffentlicht er unter eigenem Namen und unter Pseudonymen wie Farben, Gramm oder als fiktive Klangforscherin Ursula Bogner. Er arbeitete unter anderem mit Sven-Åke Johansson, Sarah Morris und Masayoshi Fujita zusammen. 2007 gründete er das Improvisationstrio Groupshow mit, 2008 das Label Faitiche. Seit 2012 schreibt und produziert er preisgekrönte experimentelle Hörspiele für den SWR.
Foto: Nikin Nagewadia
Deufels Küche
(Dinner-Event • 28.11.)
Ein Abend. Fünf Akte. Alle Sinne. Deufels Küche präsentiert zum sens Festival ein multisnesorisches Dinner Happening. Was wir schmecken, entscheidet nicht die Zunge allein. Es ist ein leises Gespräch zwischen Bauch und Kopf, zwischen Erinnerung und Erwartung, ein Zusammenspiel aller Sinne. Der Abend öffnet den multimedialen Saal des ZiMMT für diesen Dialog: Im Dunkeln wird Klang zur Nahrung, in der Stille Kauen zum Konzert. Tiefe Frequenzen lassen den Körper vibrieren und den Bauch mithören. Gerüche, Texturen, Farben und Klänge erzählen Geschichten, bevor der erste Bissen sie bestätigt oder Lügen straft.
(Dauer ca. 3h)
Deufels Küche ist eine monatliche kulinarische Reihe im ZiMMT im Leipziger Osten, initiiert von ZiMMT-Mitbegründer und Klangkünstler Felix Deufel. Inspiriert von den multisensorischen Diskursen der Institution lädt sie zu einer ehrlichen Fine-Dining-Erfahrung ein, bei der Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Fühlen zu einem Genussmoment verschmelzen. Eingeladene Köch:innen kreieren sorgfältig kuratierte Menüs, begleitet von erlesenen Weinen, Aperitifs und hausgemachten alkoholfreien Kreationen. Beim sens Festival gestalten die Köch:innen Die:le, Philipp Dietrich und Feydrea das Happening gemeinsam mit der Künstlerin, dem Visual Artist und Designer Maxim M. Chubarov (exe, wasistwert) und der Künstlerin und Musikerin Ella Kather aka Torte la bûche (Hitness Club) zusammen mit dem Initiator der Reihe am Sound.
Foto: Deufels Küche
Marije Vogelzang
MIND MOUTH audio tasting (Ausstellung)
MIND MOUTH ist ein immersives Audio-Tasting, das die ungewöhnliche Beziehung zwischen dem, was wir essen, und dem, was wir zu essen glauben, erforscht. Über Kopfhörer werden die Teilnehmenden durch eine Abfolge kleiner Häppchen geführt, während Aufmerksamkeit, Vorstellungskraft und Erwartungen gezielt verschoben werden. Der Mund wird dabei zu einem anderen Instrument. Geschmack entsteht nicht nur auf der Zunge, sondern zwischen Erinnerung, Suggestion, Wahrnehmung und Gedanken. MIND MOUTH lädt dazu ein, Essen als etwas zu erleben, das wir aktiv konstruieren – oft ohne es zu bemerken.
(Talk • 29.11.)
Was passiert, wenn Essen zum Gestaltungsmedium wird? In diesem Vortrag gibt Marije Vogelzang Einblicke in ihre 25-jährige Arbeit als Eating Designerin und nutzt Essen, um menschliches Verhalten, Kultur, Erinnerungen, Politik, Ökologie und Vorstellungskraft zu erforschen. Anhand ausgewählter Projekte zeigt sie, wie Design über die Gestaltung von Objekten hinausgehen und Erfahrungen, Rituale und Beziehungen prägen kann. Von intimen Interventionen bis hin zu spekulativen Zukunftsszenarien lädt der Vortrag dazu ein, etwas Alltägliches neu zu betrachten: das Essen.
Marije Vogelzang ist Eating Designerin, Künstlerin und Autorin und arbeitet seit über 25 Jahren mit Essen als kreativem Medium. Statt Lebensmittel selbst zu gestalten, beschäftigt sie sich mit dem Akt des Essens und damit, wie er uns mit Erinnerungen, Kultur, Politik, Ökologie und miteinander verbindet. Ihre Arbeiten reichen von intimen Esserlebnissen und Installationen bis hin zu groß angelegten, spekulativen Projekten, bei denen das Publikum häufig zum Mitmachen statt zum Beobachten eingeladen wird. Sie gründete den Studiengang Food Design an der Design Academy Eindhoven und betreibt in den Niederlanden den Food Design Playground.
Foto: Marije Vogelzang
Dr. masharu
Museum of Edible Earth (Ausstellung)
Geophagie, das bewusste Essen von Erde wie Boden, Ton oder Kreide, ist eine uralte, weltweit verbreitete Praxis mit ernährungsbezogenen, kulturellen und medizinischen Hintergründen. Das Museum of Edible Earth von Künstler:in und Forscher:in Dr. masharu erkundet diese Praxis anhand einer wachsenden Sammlung essbarer Erden. Seit 2017 trägt masharu sie in Feldforschung mit Gemeinschaften, Wissenschaftler:innen, Heiler:innen, Händler:innen und Erdesser:innen zusammen. Als lebendiges Archiv zeigt die Ausstellung die Proben mit ihren geologischen Eigenschaften, kulturellen Kontexten und gelebten Verwendungen.
(Workshop • 27.11.)
Weltweit erzählen Schöpfungsgeschichten davon, dass der Mensch aus der Erde hervorgegangen ist, und doch behandeln wir sie heute meist als etwas Getrenntes: als Gefäß für Nahrung oder Quelle von Rohstoffen. Im Workshop gibt masharu Einblick in die Entstehung des Museum of Edible Earth und stellt ausgewählte Proben mit ihren Geschichten, ihrem kulturellen Wissen und ihren Esspraktiken vor. Die Teilnehmenden sind eingeladen, Erde zu verkosten, ihre Sinneseindrücke zu teilen und zu erkunden, wie sich Traditionen des Erdessens unterscheiden, woher essbare Erde stammt und wie ihre Beschaffenheit den Geschmack prägt.
Haftungsausschluss: Der Verzehr von Erde erfolgt auf eigene Gefahr. Er wird von Lebensmittelbehörden nicht empfohlen.
Dr. masharu ist Künstler:in, Forscher:in, Erdesser:in und Erdliebhaber:in sowie Gründer:in des Museum of Edible Earth. Die Projekte von masharu verbinden wissenschaftliche Forschung mit einem persönlichen Zugang und kulturellen Praktiken. masharu promovierte in Mathematik und schloss die Photo Academy Amsterdam mit Auszeichnung ab. Es folgten Residenzen an der Rijksakademie van Beeldende Kunst und am Ars Electronica Center sowie ein Fellowship am NIAS-KNAW. Die Arbeiten wurden in über 30 Ländern gezeigt und mit einem Award of Distinction des Prix Ars Electronica ausgezeichnet.
masharu.nl
Foto: Thomas Lenden
Amelie Büchner • Studio Schmaus
Finding Complexity in What We Have (Vortrag • 28.11.)
In diesem Vortrag erkundet Amelie Büchner von Studio Schmaus das kreative Potenzial der Arbeit mit ausschließlich in Deutschland angebauten und produzierten Produkten. Was kann eine bewusste Einschränkung möglich machen? Und wie können unterschiedliche Arten, ein einzelnes Produkt zu behandeln und zu verarbeiten, neue Aromen, Texturen und Möglichkeiten eröffnen? Anhand von Verkostungen und Beispielen aus der Arbeit von Studio Schmaus lädt der Workshop dazu ein, genauer hinzuschauen, was bereits vorhanden ist, und zu entdecken, wie Komplexität nicht durch die Verwendung einer größeren Anzahl an Produkten entsteht, sondern durch die Auseinandersetzung mit dem vollen Potenzial jedes einzelnen.
Amelie Büchner begann mit 15 Jahren auf einem Wochenmarkt zu arbeiten und entdeckte dort ihre Leidenschaft fürs Kochen. Ab 17 arbeitete sie parallel zu ihrem Philosophiestudium als freiberufliche Köchin – in Clubs, an Filmsets und in Restaurants. Nach ihrem Bachelor absolvierte sie ein Praktikum in einem Zwei-Michelin-Sterne-Restaurant in Wien, wo ihr anschließend eine Stelle als Köchin angeboten wurde. Dort lernte sie Alan kennen, ihren späteren Geschäftspartner. Gemeinsam zogen sie nach Berlin und gründeten Studio Schmaus, ein kulinarisches Studio in Kreuzberg. Heute entwickelt Studio Schmaus kulinarische Konzepte für Marken, veranstaltet Dinner und Kochkurse und kreiert Rezepte sowie Social-Media-Content. Im Mittelpunkt steht die Arbeit mit ausschließlich deutschen Produkten von kleinen Höfen und Produzent:innen sowie eine spielerische, kreative und ästhetische Auseinandersetzung mit Regionalität, Essen und Gastlichkeit.
Foto: Studio Schmaus
Mattia Casalegno
Kitchen of Memories (Ausstellung)
Irgendwo zwischen den Welten erhebt sich ein stetig wachsender Turm mit Tausenden von Schubladen, von denen jede eine Erinnerung birgt, die ein ehemaliger Gast zurückgelassen hat. Hier waltet die Mad-Chef, eine mythische Köchin, deren Gerichte uns in die Erinnerungen Fremder eintreten lassen.
Ein Happen, ein anderes Leben. Ein Kind, das sein liebstes Spielzeug verliert. Ein Mädchen und ihre Erleichterung, wenn ihr Kindheitshaus in Flammen aufgeht. Eine Oma und ein streunender Hund, in den sie sich verliebt hat. Man durchlebt eine Grenzkontrolle, die aus dem Ruder läuft, oder schlüpft in den Kopf eines Gottes. Geschmack, Klang und Gefühl verschmelzen zu Geschichten über die Suche nach einem Zuhause. Das Menü wird zu einer Empathiemaschine, und mit jedem Bissen erfährt man mehr über die verrückte Köchin. Am Ende hält sie vielleicht sogar eine Überraschung bereit – mit einer Erinnerung aus deinem eigenen Leben…
Mattia Casalegno ist ein italienischer Künstler, der mit Installation, Skulptur und Mixed Reality arbeitet. Mit neuen Technologien erkundet er Wahrnehmung und Sinne. Seine kulinarische VR-Arbeit Aerobanquets RMX tourte international. Er stellte unter anderem im MACRO Rom, bei Mutek und im LACMA aus. Für Kitchen of Memories arbeitet er mit den Köch*innen Sophia Hoffmann (Happa, Berlin) und Chintan Pandya (Unapologetic Foods, New York) zusammen. Produziert wird das Projekt von Arkanum Pictures, einer Produktionsfirma in Potsdam-Babelsberg.
Foto: Studio Schmaus
Radial Taste Wokout
Radial Taste Wokout (Performance)
Wie klingt ein Wokgericht? Bei Radial Taste Wokout werden der Wok, Objekte, Zutaten und der gesamte Kochprozess zu Instrumenten. Über Mikrofone abgenommen und mit Samplern und Synthesizern verarbeitet, wird jedes Brutzeln, Schneiden und Rühren zu Free Jazz, Ambient-Teppich oder brodelnder Lärmkulisse. Live erzeugte Kochklänge verschmelzen mit wirren Elektroniksounds und abstrakten Rhythmen, während die Zubereitung der Speisen zur Choreografie aus Dynamik, Spielart und Geste wird.
Radial Taste Wokout ist ein Live-Koch- und Klangperformance-Projekt, das 2024 von Helmi Addibani und Felix Birke in Leipzig gegründet wurde. Wechselnde Köch:innen und Künstler:innen erweitern das Ensemble, vereint durch die Liebe zum Essen und zum Klang. Gemeinsam schaffen sie multisensorische, kollektive Erlebnisse, die Koch- und Esskultur in Verbindung mit Umwelt, Klang und Raum befragen und die Küche zur Bühne und das Kochen zur Musik machen.
Foto: Radical Taste Wokout
Eine Produktion des ZiMMT e.V. 2026